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Trötzeln für Erwachsene


«Ein Zeichen setzen.» Diesen Satz hört man heute ständig. Meist, kurz bevor jemand etwas unterstützt, von dem er im Grunde nicht überzeugt ist.


Früher nannte man das «trötzeln». Man stampfte mit dem Fuss auf, verschränkte die Arme und war dagegen. Gegen irgendetwas. Hauptsache dagegen. Heute setzt man Zeichen. Das Wort hat sich geändert. Das Verhalten kaum.


Vor Abstimmungen fällt mir das immer stärker auf. Da wird nicht mehr darüber diskutiert, ob eine Vorlage sinnvoll ist, oder was sie langfristig auslöst. Nein. Es geht darum, wem man eins auswischen kann. Der Regierung. Den Städtern. Den Reichen. Den Linken. Den Rechten. Den Ausländern. Den Autofahrern. Den Velofahrern. Wie etwas finanziert werden soll? Egal. Welche Folgen ein Entscheid für die Zukunft hat? Zweitrangig. Hauptsache, man konnte ein Zeichen setzen.


Das Problem ist: Zeichen verschwinden nicht einfach wieder. Sie haben Konsequenzen. Politische Entscheide sind keine Instagram-Storys, die nach 24 Stunden verpuffen. Wenn genug Leute aus Trotz abstimmen oder wählen, dann wird aus einem Denkzettel Realität.


Man sieht es im Ausland. Parteien, die früher höchstens am Stammtisch Zustimmung erhielten, holen plötzlich Rekordergebnisse. Nicht zwingend, weil alle deren Ideen überzeugend finden, sondern weil man «denen da oben» eins auswischen will. Ein Zeichen setzen eben.

Und dann? Dann sitzt man irgendwann knietief im Schlamassel und fragt sich erstaunt, wie es nur so weit kommen konnte. Dabei war es gar kein Versehen. Sondern Millionen persönliche Befindlichkeiten in einer Wahlurne.


Wir diskutieren heute stundenlang über einzelne Wörter und deren Endungen, treffen weitreichende politische Entscheide dann aber aus Frust, Trotz oder persönlichem Vorteil. Genau das wird zum Problem. Wenn alle nur noch Zeichen setzen wollen, aber nichts mehr bewegen, bleiben am Ende nur noch Rauchzeichen.


 


Trötzeln für Erwachsene

KI-generiertes Bild. Illustration einer Abstimmung: Eine Person wirft einen Stimmzettel mit der Aufschrift «Ein Zeichen setzen» in eine Urne mit der Beschriftung «Zukunft». Im Vordergrund tritt eine weitere Person trotzig gegen den Boden. Rund um die Urne stehen Schilder mit politischen Parolen. Dunkle Wolken und eine angespannte Stimmung symbolisieren Entscheidungen, die aus Frust oder Trotz getroffen werden und langfristige Folgen haben.
KI-generiertes Bild: Trötzeln für Erwachsene

 
 
 
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