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Nachrichten aus der Hölle

vor 17 Stunden
2 Min. Lesezeit

Ich hasse Sprachnachrichten. Nicht alle. Die zehn Sekunden, in denen mir jemand mitteilt, dass es zehn Minuten später wird, gehen in Ordnung. Aber acht Minuten, in denen jemand erst herausfindet, was er mir eigentlich sagen möchte, sind keine Nachricht. Das ist ausgelagerte Denkarbeit. Ich muss zuhören und hinterher das Protokoll im Kopf erstellen.


Der Absender spart sich das Tippen. Ich bezahle mit Lebenszeit. Eine faire Aufteilung sieht aus meiner Sicht anders aus. Während er längst etwas anderes macht, hänge ich noch bei Minute drei und warte darauf, dass zwischen zwei Ähs endlich ein Anliegen auftaucht.

Besonders beliebt: Am Ende soll ich etwas dazu sagen. Jetzt wäre es praktisch, wenn ich noch wüsste, worum es am Anfang ging. Also zurückspulen. Nochmals hören. Mir fehlt ein Textmarker für Tonspuren.


Eine Diskussion per Sprachnachricht ist ungefähr so sinnvoll, wie den Erhalt eines E-Mails per Fax zu bestätigen. Dabei könnte man ja telefonieren. Man ruft an, redet miteinander, fragt nach, findet eine Lösung. Oder lacht zusammen. Ohne dass einer zuerst einen Monolog aufnehmen und der andere ihn abhören muss.


Und bitte auch kein E-Mail mit der Frage, ob man kurz anrufen dürfe. Ein Anruf mit Ansage. Ich will doch nicht zuerst schriftlich bestätigen müssen, dass ich mündlich erreichbar bin. Oder ist der nächste Entwicklungsschritt, dass wir eine Gesprächsabsichts- und Einverständniserklärung vor einem Telefongespräch unterschreiben müssen?


Versuchen Sie einfach anzurufen. Wer besetzt ist, nimmt nicht ab. Das ist keine persönliche Niederlage des Anrufers. Verpasste Anrufe werden angezeigt. Die Technik ist bereit. Wir müssten sie nur nutzen.


Also, bevor Sie das nächste Mal aufs Mikrofönchen tippen: Überlegen Sie sich, was Sie sagen wollen. Und ob Sie dafür wirklich acht Minuten brauchen. Ihre Bequemlichkeit darf nicht zu meinem Abendprogramm werden.


Immerhin kann ich das Ganze schneller abspielen. Dann sind wenigstens die Ähs früher durch. Und ich verliere meine Zeit etwas effizienter.


Trotzdem bin ich für einen Anruf. Sie haben ja meine Nummer.


Bild generiert von ChatGPT

Teufel im Anzug telefoniert mit WhatsApp im Feuerhöllenraum, grüne Sprachspur vor ihm.


Kolumne vom 5. November 2026 im General Anzeiger Brugg sowie in der Rundschau Süd und Nord.


Zeitungsseite mit Damian Suter im Apfelgarten, Headline Familie Suter und ihre Apfelschätze, grüne Bäume und Textspalten.


 
 
 

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