God save the Queen

Die Queen ist tot. Mich erreichte diese traurige Nachricht, als ich an einem Bratwurststand von «Welt- klasse Zürich» in der Schlange stand, mich dabei langweilte und kurz auf Twitter vorbeischaute. Abertausende Tweets über das Ableben der Queen leuchteten mir entgegen. Eine Reizüberflutung sondergleichen, die meine Synapsen fast kollabieren liess. Die ganze Welt twitterte Beileidsbekundungen und Bilder der Queen in allen möglichen Ausführungen. Und so befasste auch ich mich unverhofft mit dem Tod einer Frau, über die ich zwar manchmal gelesen, die ich doch eigentlich mehrheitlich ignoriert habe. Das ganze Royal-Theater hat auf mich eine Anziehungskraft wie ein Fitnessstudio. Wenn in einem Quiz eine Frage über die Royals gestellt wird, verliere ich meistens, da ich stets raten muss und darin unheimlich schlecht bin.

In den letzten Tagen bin ich allerdings nicht ums Thema Royals herumgekommen – egal, wie fest ich mich darum bemühte. Interviews mit A- bis Z-Promis, die irgendeinmal auf irgendeine Weise mit der Queen oder ihren Corgis zu tun hatten, ploppten zu allen Tages- und Nachtzeiten auf. Es kommt der Verdacht auf, dass die Medien sich in den letzten Jahren intensiv auf das Ableben der Queen vorbereitet haben. Sie mussten wohl nur noch auf einen Knopf drücken, und die ganze Maschinerie inklusive Liveticker wurde innert Kürze von Null auf Hundert hinaufgefahren.

Ich vermute sogar, dass die Queen ihren Tod von langer Hand geplant hat, als sie vom russischen Angriffskrieg erfuhr: Sie wusste, dass Putin und seine Generäle, erschüttert und abgelenkt über ihren Tod, den Krieg aus den Augen verlieren werden. So ist vielleicht zu erklären, dass die ukrainischen Truppen in den letzten Tagen Boden gut gemacht und die russischen Besetzer aus verschiedenen Gebieten verdrängt haben. Ist das der Anfang des Kriegsendes? Wir wissen es (noch) nicht.


Vielleicht war das aber die letzte gute Tat der Queen: Sterben für den Frieden.



PS: Diese Kolumne habe ich trotz des ernsten und traurigen Themas mit einem Augenzwinkern und noch vor Russlands Teilmobilmachung geschrieben. Wenn ich mit dieser Kolumne die Gefühle von jemandem verletzt haben sollte, entschuldige ich mich dafür.


 

General Anzeiger Brugg vom 22. September
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Du findest die Kolumne auf Seite 9

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