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Querbeet - Kolumne "R.I.P. - Rest in Peace"

Stirbt ein Prominenter, wimmelt es auf Social Media nur so von Beileidsbekundungen. Gefühlte zig Millionen Mal wird der Todesfall gepostet, geteilt und kommentiert. Die Welt steht unter Schock.

 

So auch geschehen beim Tod des ehemaligen Basketball-Spielers Kobe Bryant. Ich gebe zu: Bis zu seinem tragischen Helikopterabsturz vom 26. Januar 2020, habe ich noch nie etwas von diesem Ausnahmesportler gehört. Denn Basketball interessiert mich in etwa gleich stark wie Herzchirurgie bei Pandabären.

 

In den Social Media rund um den Globus wurde um Kobe Bryant getrauert. Selbst Donald Trump liess es sich nicht nehmen, seine Bestürzung via Twitter kundzutun. Daneben wurden plötzlich Stimmen laut, die sich über die riesie Anteilnahme mokierten. Diese tönten ungefähr so: „Ein Sportler stirbt, und die ganze Welt trauert. In Afrika sterben jeden Tag tausende Kinder an Unterernährung und niemand schaut hin.“

 

Auch beim Brand der „Notre Dame“ in Paris las ich Kommentare wie beispielsweise „Eine Kirche brennt und Millionen werden gespendet, während im Jemen tausende Kinder die Hölle auf Erden erleben und niemand etwas dagegen unternimmt.“

 

Das gegeneinander Ausspielen von Tragödien ist für mich ein neues Phänomen auf Social Media. Was soll das? Existiert wie bei Erdbeben eine Skala, die unglückselige Ereignisse nach Punkten bewertet? Ist es ethisch korrekter, um verhungernde Kinder als um verunglückte Sportler oder zerstörte historische Bauwerke zu trauern? Solche Vergleiche anzustellen sind so falsch wie das Lachen einer Hyäne.

 

Niemand hat das Recht, eine Tragödie zu bewerten, zu skalieren. Es existiert kein Wettbewerb um den Pokal des traurigsten und übelsten Ereignisses nach Christi Geburt. Denn stellen Sie sich vor, wenn dem so wäre, dürften wir nie mehr eine Träne vergiessen, wenn unser über alles geliebtes Haustier das Zeitliche segnet. Die Trauer um ein totes Büsi hätte gegen ein im Bürgerkrieg getötetes Kind nie und nimmer eine Chance.

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