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Eine haarige Sache

Als ich Kind war, schnitt mir meine Mutter die Haare. Da sie mit langen Haaren nichts am Hut hatte, trug ich sie – und schnitt sie mir - immer kurz. Ab und zu machte sie mir auch Dauerwellen. Ach, die lieben 1980er Jahre! Häufig wurde ich mit einem Jungen verwechselt.

 

Dieses Problem löste sich mit der Zeit jedoch auf natürliche Art und Weise: Ich bekam Brüste. Ich weiss nicht, ob es einen Kausalzusammenhang mit dem Wachstum der Brüste gibt, aber ich wollte ab der Pubertät lange Haare. Also liess ich sie wachsen. Da ich nicht die geduldigste Person auf der nördlichen Erdhalbkugel bin, war das eine regelrechte Tortur.

 

Zudem verweigerte mein feines und schnurgerades Haar jede anständige Frisur, wie ich sie mir aus den Hochglanzmagazinen abschaute. Mein Frust war gross. Also mussten die Haare wieder weg. Eine Kollegin, die in der Ausbildung zur Coiffeuse war, konnte sich an mir austoben. Wenn ich dannzumal in den Spiegel blickte, kam mir oft das Lied "Nothing Compares 2U" in den Sinn. Nicht die Version von Prince, notabene. Mein Anblick erinnerte eher an Sinead O'Connor.

 

Meine erste grosse Liebe trug ihre Haare lang. Ein richtiger Rocker halt. So kam es, dass ich wieder einen Versuch mit langen Haaren startete. Die Beziehung dauerte nur drei Monate. Die damalige Freundin meines Bruders, die zufälligerweise Coiffeuse war, kürzte mir daraufhin meine Haare wieder in die Ausgangsposition. Meine nächste Liebe, die selbst nach mehr als 22 Jahren noch hält, stand auf Frauen mit langen Haaren. Na super! Was macht frau nicht alles, um den Männern zu gefallen? Ja genau, sie lässt sich unter anderem die Haare wachsen.

 

Zu Glanzzeiten trug ich sie bis auf die Schultern. Da ich zwei linke Hände habe und meine Koordination mit Bürste und Föhn einem betrunkenen Pandabären gleicht, konnte ich mit meinen langen Haaren so gar nichts anfangen. Hochsteckfrisur? Fehlanzeige. Gerade mal einen Pferdeschwanz brachte ich zustande. Mein feines, gerades Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden stellte jedoch eher an ein Zwergponyschwänzchen dar.

 

Eines Tages nach der Arbeit spazierte ich durch das idyllische Lenzburg. Beim Coiffeursalon LifeStyle spiegelte ich mich im Schaufenster. Diese Fäden auf dem Kopf! Ich hatte keine Lust mehr. Also betrat ich den Salon und fragte nach einem Termin. Fünf Minuten später sass ich mit nassen Haaren auf dem Friseurstuhl und neben mir fielen die Haare zu Boden.

 

Und so wurde ich nach einer Spontanaktion wieder zur kurzhaarigen Frau. Dem Salon und meiner Kurzhaarfrisur bin ich bis heute treu geblieben. Mein Partner erholte sich mit den Jahren auch wieder vom Schock. Letzte Woche gestand er mir aber, dass er gerne hätte, wenn ich die Haare wieder länger trüge. Sie wissen jetzt was kommt, oder?


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